Bali

Der Flug geht nach Asien. Irgendwo und viele Stunden später wirst Du auf asiatischem Boden wieder geerdet. Vielleicht ist es Singapor oder Bangkok. Wahrscheinlich spürst Du eine wohlige Atmospähre. Dein Flug geht weiter. Nehmen wir mal an, Dein Ziel heißt Bali. Was Du jetzt verspürst, läßt sich mit Worten schwer beschreiben. Beim Betreten der Insel Bali durchfährt Dich plötzlich ein ganz neues Gefühl. Man könnte meinen, der Körper taucht in sein ursprüngliches Gleichgewicht ein. Alles fühlt sich wahnsinnig harmonisch an und irgendwie ist man versucht zu glauben, die Schwingung und die Taktfrequenz des eigenen Körpers ist eine ganz andere geworden. Warum auch nicht, wenn es doch so sein kann.

Bali, die buddhistische Destination Indonesiens, wird gerne auch die Insel der Götter und Dämonen genannt. Wer erstmals aus dem Flieger steigt und balinesischen Boden berührt, wird augenblicklich die andere Schwingung in seinem Körper verspüren - nämlich sehr viel langsamer und rhythmischer.

Bali Tempel oder Hindutempel

Verkehrte Welt

Gleichzeitig könnte man mit der Ankunft auf Bali meinen, dieses Land hätte als Vorlage für den Anti-Western-Film "Little Big Man" gedient. Der Indianer "Younger Bear" trifft die Entscheidung, ein "Contra" zu werden. Ein "Contra" macht alles andersherum als gewohnt. Wenn die Sonne aufgeht, sagt er "Guten Abend", wenn er ja meint, sagt er nein und wenn er auf dem Pferd reitet, dann nicht vorwärts sondern rückwärts. Verkehrte Welt eben.

Irgendwie wie in der Welt von "Younger Bear", scheint es auch auf Bali zu sein. Wenn bei uns Winter ist, dann ist auf Bali Sommer. Die Mopeds und Autos fahren auf der für uns falschen Seite.  Wenn die Ampel auf rot zeigt, geben erst mal alle kräftig Gas und man fährt so lange drauf los, bis einfach nichts mehr geht. Ein Fußgängerüberweg ist allemal ein Hinweis für die Fußgänger, daß man an dieser Stelle die Straße überqueren kann. Auf den Verkehr achten müssen dennoch die Fußgänger, die Autofahrer sind von einem Zebrastreifen weniger berührt.
Die balinesischen Kühe sind mager und klein, im Gegensatz zu unseren deutschen Milchkühen. Auch die Preise sind auf Bali klein, meist ungewöhnlich klein und so zahlt man für ein wunderschönes Abendessen am Meer eine solche Kleinigkeit, als würde man in hierzulande nur die Vorspeise bestellt haben.

Was auf Bali groß ist, hatte seine umgekehrte Entsprechung hierzulande. Angefangen von den Ameisen, über die Frösche bis zu den Regentropfen. Und natürlich fallen auch die ungewöhnlich großen Buddhas ins Auge, für die uns lediglich noch Bewunderung übrig bleibt.

Wer von den ersten Eindrücken dieser verkehrten Welt gesättigt scheint, der kann sich den tieferen Ebenen der Insel widmen. Bali bietet Erholung für Körper, Seele und Geist. Ist dies die schlüssige Erklärung, warum ausgerechnet die kleine Insel Bali unter den 17.000 indonesischen Inseln herausragt und ihre Anhängerschaft weltweit gefunden hat? Wer einmal dort war kommt meist wieder. Ihrem Sog kann man sich nur schwer entziehen.

Landschaft Bali

Reisterrassen auf BaliBali liegt zwischen dem Pazifik und dem indischen Ozean und ist vulkanischen Ursprungs. So klein die Insel auch ist, die landschaftliche Vielfalt ist erstaunlich. Tropische, wuchernde Regenwälder mit verlockenden Früchten, malerisch angelegte Reisterrassen, die von wilden Bergseen gespeist werden und Palmenhaine sind das Bild des Südens. Ausgedehnte Sandstrände, bewachsen mit den typischen Frangipanibäumen, laden zum Verweilen ein. Immer wieder findet sich unter einem Frangipanibaum ein Tempel oder eine Pagode, welchen die Gläubigen Balinesen mehrmals am Tag eine Opfergabe beibringen. Deshalb nennt man den landestypischen Baum auch Tempelbaum.

Im Norden dagegen trifft man auf eine karge Landschaft, die aber nicht minder ihren Reiz ausstrahlt. Insbesondere der schwarze Strand aus schwarzem Vulkangestein prägt das Bild dieses Stück Bali. Der Norden der Insel Bali ist also gleichsam der Gegenpol des Südens, was den Eindruck der balinesischen Symbolkraft auch auf dieser Ebene bestätigt.

Auch der Westen der Götterinsel Bali löst seinen ganz besonderen Reiz aus. Auf der Fahrt  durch diesen Landstrich, stets bergauf, durchquert man dichte Wälder. Die Fahrt führt zu den Vulkanen Gunung Agung und Gunung Batur und den darunter liegenden Vulkanseen. Die beiden noch aktiven Vulkane gelten als Wohnsitz der Götter. Auf der einen Seite spenden sie mit ihrer mineralhaltigen Asche von Zeit zu Zeit den fruchtbaren Böden neue Kraft, auf der anderen Seite stellen sie aber auch eine ständige Bedrohung für die Inselbewohner dar. Den Ausgleich zur Wohnstätte der Götter im Westen der Insel, gilt der Osten der Insel Bali mit ihren nebelverhangenen Hochebenen den Dämonen als Rückszugsort.

Kunst und Kultur auf Bali

Bali Fahnen und SonnenschirmeAusgangspunkt für den Besuch einer Barongvorführung, sprich des Tempeltanzes, oder der Besuch unzähliger kleiner Kunst- bzw. Handwerksbetriebe ist Ubud. Ubud, im Landesinneren von Bali gelegen, ist prädestiniert, um Land und Leute näher kennenzulernen und von hier aus zu erkunden. Im Umkreis von einer Stunde Fahrzeit lassen sich die Künstler besuchen. Interessant ist, dass man das Wort „Kunst“ im balinesischen gar nicht benutzt oder kennt, wobei die Balinesen mit ihren unzähligen Handwerksbetrieben wirkliche Künstler sind.

Die Straße nach Batubulan ist in fester Hand der Steinmetzkünstler. Der Weg ist gesäumt mit unzähligen Steinfiguren aus Flussstein und schwarzem Lavastein, Pagoden, Tempel, Ganeshas und vielen buddhistischen Gottheiten. Buddhaskulpturen in monumentalen Größen stehen am Straßenrand und warten geduldig auf ihre künftigen Besitzer. Der Reiseweg vorbei an den Buddhas, Ganeshas und der Göttin Dewi ist beeindruckend. Manche Stücke sind bis zu vier Meter hoch und haben ein Gewicht von mehreren Tonnen. Diese Figuren sind für den Verkauf an die Hotels bestimmt, die ihre Gärten damit schmücken. Und der Gedanke wird jeden Reisenden verfolgen, wie es wohl wäre, eine solch beeindruckende Buddha Gartenfigur aus Stein im heimischen Garten stehen zu haben. Einige von ihnen werden bestimmt die Reise nach Europa antreten und auch unseren Lebensbereich einen Stück Mehrwert verschaffen. Die Buddhafiguren und Buddhastatuen aus Lavastein werden von den Handwerkskünstlern der Nachbarinsel Java geschaffen und dann erst nach Bali transportiert und ausgestellt. Auf Bali wird der sehr viel weichere Sandstein von den Steinmetzen in prachtvolle Kunststücke verwandelt. In manchen Betrieben kann man im Hinterhof sogar den Steinmetzen bei der Arbeit zusehen. Neben den Buddhafiguren für den Garten  lassen sich auch wunderschöne andere Kunststücke entdecken. Liebhaber buddhistischer Kunstobjekte können sich mit Reliefs, Stupas und Pagoden in allen Größen und Varianten beglücken. Auch moderne Gartenskulpturen werden zunehmend angeboten. Wirklich antike Kunstobjekte sind eine Seltenheit. Doch täuschend ähnlich werden neue Buddhafiguren, Ganeshas und Tempelwächter zu antiken Meisterwerken verarbeitet. Diese werden dann als sogenannte „Antik Style“ Skulpturen angeboten. Uns beeindrucken diese Arbeiten immer wieder.

Weiter geht die Fahrt nach Mas, den Sitz der Holzschnitzer. Leider hat der Kommerz hier über die Kunst gesiegt. Das Angebot der Galeristen ist teuer und dem Touristengeschmack angepasst. Trotzdem hier mittlerweile ein Massengeschmack bedient wird, sind die Arbeiten künstlerisch vollendet durchgeführt. Wer auf der Suche nach Buddhafiguren ist, welche aus Ebenholz gearbeitet sind, muss ein wenig suchen. Im Frontbereich der Ausstellungs- und Verkaufsläden werden erst mal sämtliche zu Holz verarbeitete Tiergattungen und Spielzeuge gezeigt. Die als Interieur gedachten Buddhaskulpturen muss man wahrlich entdecken. Das Spannende dabei, man stößt bei der Suche auf viele andere wunderschöne und beeindruckende Dekostücke, die man ursprünglich vielleicht nicht haben wollte, von denen man aber letztendlich nicht mehr los kommt. Einst wurden Schreine, Pfosten und Dachstürze von Tempeln und Palästen mit Reliefs und Ranken überzogen. Manchmal ist man schon geneigt, diese Prunkstücke ins Gepäck zu packen. Aber nur gedanklich eben.

Das Handwerk und die Kunst nehmen auf Bali noch lange kein Ende. Schmuckliebhaber kommen in Celuk auf ihre Kosten. Hier ist die Heimat der Silberschmiede. Und wer seine Wohnung einrichten möchte, dem sei geraten, einen Container zu ordern. Möbelhändler säumen an allen Ecken den Wegesrand. Wunderschöne Rattanmöbel, kombiniert mit handwerklich hergestellten Tischen, Stühlen und Schränken, sind verlockend. Wer will, schafft es ohne große Mühen eine komplette Wohnung einzurichten und den Garten alleine mit balinesischer Kunst einzurichten und zu gestalten.

Im Zentrum von Ubud hat sich die Kunst der Malerei entwickelt. Maßgebend für den Stil und die Entwicklungen der modernen Malerei waren der Deutsche Walter Spieß und der Holländer Rudolf Bonnet. Diese haben den Grundstein für die dort anzufindende malende Zunft gelegt. Ein Bild aus einer der Malerwerkstätten ist ein wunderbares Mitbringsel. Allemal ist ein Bild einfacher im Gepäck zu verstauen, wie ein großer, schwerer Buddha oder ein Ganesha aus Stein.