Java & Borobudur

Flughafen Java YogijakarteIndonesien klingt für uns Europäer als erstes einmal nach sehr weit weg. Während asiatische Länder wie Thailand, Kambodscha, Vietnam und Burma bereist und als Reiseziel zunehmend beliebter werden, bleibt die Nachbarregion Indonesien mit seinen tausenden von Inseln weitestgehend unbekannt und für uns unentdeckt. Neben der relativ kleinen, aber in ihrer Bekanntheit herausragenden indonesischen Urlaubsinsel Bali, warten etwa 17.000 mehr oder minder große Inseln inmitten des indischen Ozean auf ihre Entdeckung. 

Java, mit der Hauptstadt Jakarta als möglicher Ausgangspunkt einer Indonesien-Entdeckungsreise, hat ganz besondere kulturelle Spezialitäten im Angebot. Einer der größten buddhistischen Tempelanlagen Südostasiens wurde erst im 19. Jahrhundert wieder entdeckt. Die beeindruckende Tempelanlage Borobudur, gebaut vermutlich zwischen 750 und 850 unserer Zeitrechnung, blieb bis ins Jahr 1814 der Menschheit vollkommen verborgen. Zugedeckt von Lavaasche und wuchernder Vegetation blieb sie über 1000 Jahre darunter konserviert. Ein Ausbruch des nahe gelegenen Vulkans Merapi im Jahr 1006 bedeckte den heiligen Tempel der Buddhisten mit einer Lavaschicht. Darüber wuchsen Sträucher und Bäume, welche den Tempel verborgen hielten. Erst ein Restaurierungsprogramm des Staates Indonesien und der UNESCO brachte die Tempelanlage wieder zum Vorschein. Seit 1983 ist die buddhistische Temeplanlage Borobudur der Öffentlichkeit wieder zugänglich und täglich pilgern tausende von Gläubigen Buddhisten und Touristen die Stufen von Borobudur hoch. Im Jahr 1991 wurde Borobudur in die Liste Weltkulturerbe mit der Nummer 592 aufgenommen.

Tempelanlage Borobudur mit Buddhas

Wer Borobudur bereisen möchte, fliegt am besten erst mit einer der regionalen Fluggesellschaften nach Yogyarkta oder Jogja (spricht man Dschogdscha), wie die einheimischen ihre Stadt umgangssprachlich nennen. Vom Airport Jogja bieten hunderte private Reiseleiter und Taxis ihre Dienste an, um auf einfachem und bequemen Wege nach Borobudur zu gelangen. Spannender ist auf jeden Fall die Fahrt dort hin mit dem Regionalbus. Die Abfahrtsstelle dieses Buses muss man zwar erst einmal erfragen, da sie vom Airport aus nicht gleich ersichtlich ist. Dann aber erwarten einem aufregende und unvergessliche Stunden einer Reise. Für umgerechnet weniger als zwei Euro ist man mit dabei. Mit offenen Bustüren, ständigem Geschrei der Busbegleiter nach neuen Passanten und Bleifuß des Busfahrers, geht es über das hügelige Land Javas, bergauf bergab wie auf den Straßen San Franziscos. Eine Portion asiatische Gelassenheit läßt einem die Fahrt leichter ertragen, nein, genießen. 

Der regionale Busbahnhof in Borobudur liegt in etwa fünf minütiger fußläufiger Entfernung zur Tempelanlage. Beim Aussteigen aus dem Regionalbus wird man von Taxifahrern sofort zur Weiterfahrt gedrängt, doch ist diese Fahrt nun wirklich mehr als überflüssig. Zwei mal um die Ecke und man hat den überragenden Tempel Borobudur fasst im Blickfeld. Wer den Tempel Borobudur ohne die Menschenmassen erklimmen und erfahren möchte, der muss möglichst bei Sonnenaufgang am Tempel stehen. Ansonsten befindet man sich unter tausenden von Asiaten und als europäische Ausnahmeerscheinung in Borobudur, wird man neben den Buddhas unaufhörlich fotografiert. Europäische Besucher sind in dieser Gegend eher noch die Ausnahme als die Regel und genießen ein gewisses Interesse. 

Tempel Borobudur mit Buddha Skulptur und Stupa aus SteinBeeindruckend sind die unzähligen Stupas, Buddhas und Reliefs über die einzelnen Terrassen der Anlage verteilt. Die Buddhas, Reliefs und Fresken von Borobudur dienen heute den Steinmetzen der Umgebung als Vorlage für ihre Arbeiten. Vom höchsten Punkt der Tempelanlage hat man einen gigantischen Blick auf die Menoreh-Berge und die Vulkane Merapi und Merbabu. Wer die Anreise nach Borobudur nicht scheut, wird belohnt mit einem wahrhaft beeindruckenden Bauwerk der Menschheitsgeschichte und vor allem mit dem Gefühl für das einstieg bedeutende geistliche Zentrum des Buddhismus.

Der Sakralbau der Tempelanlage Borobudur mit den unzähligen Stupas und Buddhas macht auf den ersten Blick einen düsteren Eindruck, wenn das Licht auf den dunklen Lavastein fällt. Der eigentliche Grund zum Bau der buddhistischen Tempelanlage bestand darin, einen Ort der Meditation und der Ahnenverehrung zu schaffen. Die damaligen Könige von Shaleindra demonstrierten mit dem mächtigen Bauwerk gleichzeitig ihre politische Macht. Das heilige Bauwerk beeindruckt heute nicht minder aufgrund seiner besonderen Bauweise. Das heilige Zentrum des Buddhismus wurde als quadratisches Bauwerk angelegt. Die Seitenlänge beträgt 152 Meter und die Gesamthöhe der überragenden Heiligen Stätte 31,5 Meter. Das Bauwerk wurde in mörtelfreier Fugenbauweise um einen Hügel errichtet. Die planerische Idee war, ein dreiteilig aufgebautes Stufenmonument nach der Vorstellung der Welt im früheren Buddhismus zu errichten. Die untere Ebene der Balustraden stellt die Welt der Begieren dar. Im Buddhimus spricht man vom Kamadathu. Die nächste Ebene symbolisiert die Welt der Namen und Formen, auch Rupadathu genannt. Die Wände sind mit unzähligen Reliefs ausgearbeitet. Die dritte Ebene der Tempelanlage ist mit Stupas, Glocken und einer Riesenglocke bestückt. Diese Ebene der Tempelanlage soll die nach dem Buddhismus formfreie Welt symbolisieren. Diese Dreiteilung der heiligen Stätte wird auch als unterirdische, irdische und himmlische Welt symbolhaft erklärt.

Nach Besichtigung der buddhistischen Tempelanlage Borobudur erreicht man in etwa zwei stündiger Fahrzeit mit dem regionalen öffentlichen Bus die hinduistische Tempelanlage Prambanan. Von Borobudur fährt man erst einmal zurück nach Yogyarkata und dann weiter nach Prambanan. Wer die Reise nach Borobudur ohne Reiseleiter und fremde Hilfe geschafft hat, der findet sich nach Prambanan mühelos durch. Von Yogyarkata bezahlt man mit dem Regionalbus weniger als 30 Cent und spannend bleibt die Reise auf diesem Wege ohnehin.

Tempelanlage Prambanan auf JavaPrambanan entstand in etwa der gleichen Zeitepoche wie Borobudur. Die Tempelanlage Prambanan gehört zu den größten hinduistischen Tempeln Südostasiens. Leider stellt der Aufbau der Tempelanlage Prambanan die Wissenschaftler vor einige Herausforderungen, so daß das eigentliche Ausmaß dieses monumentalen Bauwerks in seiner Größe nur erahnt werden kann. Damit soll aber die Erwartung auf ein epochial geniales Bauwerk nicht geschmälert werden. Schon in der bestehenden Form der wiederaufgebauten Anlagen kann man sich der ergreifenden Gefühle nicht erwehren. Java wartet einfach nur darauf, von uns entdeckt zu werden. Vielleicht sogar mit der ein oder anderen Überraschung von bisher noch unentdeckten und verschütteten Tempelanlagen und Kulturgütern.